Sulzkirchen

Sankt
Georgskirche

Die Urkirche

Die Geschichte der Urkirche von Sulzkirchen reicht fast bis in die Zeit frühester bayerischer Besiedlung unserer Heimat zurück.
In den Regesten ( = Urkunden) der Bischöfe von Eichstätt aus der Zeit der Gründung des Bistums im Jahre 741 wird unter anderem berichtet: "Sulzkirchen (St. Georg), Dietkirchen (St. Stephan), Pühlkirchen bei Beilngries (Trinität), Waldkirchen (St. Petrus), Lauterhafen (Michael) waren in diesem Gebiet jedenfalls uralte kirchliche Mittelpunkte."
Diese alten Kirchen bezeichnet man als Urkirchen; sie waren Mittelpunkt für die Bevölkerung des Landes im weiten Umkreis. So gehörte zu Sulzkirchen die ganze Seglau mit Burggriesbach, Jettenhofen, Lauterbach, Schmellnricht, Höfen, Obernricht, sogar Viehhausen droben auf dem Jura, dann der Grashof, Groß- und Kleinberghausen, im Westen Forchheim, Meckenhausen, Rabenhof, Ohausen und im NO Rocksdorf, Wettenhafen und Kruppach.

Die erste Kirche Sulzkirchens, im Stil jener Zeit vermutlich eine Holzkirche, war errichtet auf dem "Höckl" (vom indogerm. hugga = buckelig), umgeben von sulzigem Boden, wo sich das Wild zu wälzen pflegte, und als sich um das Gotteshaus einzelne Siedler niederließen, nannte man ihren Ort Soltzchirichun, d. h. bei der Kirche auf sulzigem Grund.

Die zweite Kirche
Bischof Gundekar II. war ein erfolgreicher Förderer des Kirchenneubaus. ln seinem Amtsbuch, dem Pontificale Gundecarianum, dem wertvollsten Besitz der Eichstätter Kirche, führte er alle Kirchen auf, die er einweihte. 124 sind es zwischen 1057 und 1075 und darunter gleich als erste zu Beginn seiner Amtszeit die von Sulzkirchen. Das Jahr 1058 ist damit zugleich die erste urkundliche Nachricht über den schon damals fast 400 Jahre alten Ort Sulzkirchen.

Über die äußere Gestalt der Kirche liegen nur wenige Hinweise vor. Doch konnten 1962 anläßlich umfangreicher Instandsetzungsarbeiten wichtige Hinweise gewonnen werden. ln ihrem Aufbau glich sie der Oberndorfer Kirche, nur hatte sie größere Ausmaße. Der Altarraum lag wie dort im Erdgeschoß des Turms, von einer im Norden angebauten Sakristei aus erreichbar und vom Schiff durch einen Spitzbogen getrennt.
Die Grundfläche des Schiffes hatte fast die gleiche Ausdehnung wie das jetzige, es war nur um 3,15 Meter kürzer. Der Fußboden lag 60 cm tiefer und ist teilweise noch erhalten, bestehend aus gebrannten, unglasierten roten Platten (25 mal 27 cm). Bemerkenswert war das steile Dach, gekrönt mit einem Storchennest. Der First reichte bis auf zwei Meter an den jetzigen heran. Die Hauptpforte lag in der Mitte der Nordwand, eine kleinere führte auf der Westseite ins Innere. Die Breitseiten unterbrachen je zwei schmale, vermutlich rundbogige Fenster, ihre Glasreste im Boden schillern in allen Farben. Der quadratische Turm besteht heute noch aus einer 1,25 Meter dicken Füllmauer, ist innen und außen aufgemauert, der Zwischenraum mit losem Füllmaterial ausgestopft. Er erhob sich bis zu den jetzigen Schallöchern und wurde gekrönt von einer spitzen Pyramide. ähnlich der von Rocksdorf. Sie war mit Schindeln gedeckt und machte oft eine Reparatur notwendig. Kirche und Friedhof wurden durch eine hohe Mauer mit vier Türmen und einem Torturm vor plündernden Banden geschützt.

Der Dreißigjährige Krieg brachte auch für Sulzkirchen große Not und viel Leid. Bei einem Überfall im Oktober 1633 hatten die Angreifer Widerstand angetroffen. Deswegen wurde der Ort durch Feuer vollständig zerstört und 1667 noch als "öde" bezeichnet. Auch das Pfarrhaus ging in Flammen auf, ebenso das Schulhaus, so daß Pfarrer und Lehrer bis etwa 1650 in Sulzbürg Unterschlupf suchen mußten.
Sogar die Kirche blieb nicht verschont. 1962 wurde festgestellt, daß ein Steinquader unten an der Sakristeitüre mit einer dicken Rußschicht bedeckt war, die nur von einem Brand stammen konnte.

Der Neubau 1734/35
Die Schäden an der Kirche wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg von Vertriebenen aus dem Ländlein ob der Enns (Österreich) tatkräftig behoben, so daß das Salbuch von 1667 die Feststellung enthält: "Die Kirche ist in der Herrschaft Sulzbürg vor anderen die größte und schönste". Da aber in der Barockzeit hellere und weite Kirchenräume geschaffen wurden, wollte der letzte Graf von Wolfstein Christian Albrecht die Kirche reparieren lassen. Doch am 1. Mai 1734 entschloß man sich in einer Besprechung unter dem Vorsitz des Wolfsteinischen Kanzleidirektors Allgeier laut Protokoll doch zu einem Neuaufbau.

Noch im Mai begann man, das alte Gotteshaus bis auf Mauerreste von ca. zwei Meter Höhe abzureißen, und im selben Jahr noch wurde der Rohbau erstellt, und zwar "völlig nach der neuen Schloßkirche in Sulzbürg", d.h. der Altarraum wurde in das Schiff der Kirche verlegt und die Halle um 3,50 Meter nach Westen verlängert. Da man auch die Decke in die Höhe hob, erstand ein hallenartiges Langhaus, nach oben abgeschlossen von einer Flachdecke mit tiefer seitlicher Abmuldung.  Auch der Standort von Kanzel und Orgel änderte sich und entspricht nicht mehr der allgemeinen Norm. Altar und Kanzel stehen übereinander, sind von zwei großen Säulen eingefaßt, und darüber thront noch die Orgel, eine Bauweise, die im Markgrafenturn Ansbach und Bayreuth verbreitet ist und den Namen Markgrafenstil erhalten hat.
Der Turm wurde durch ein aufgesetztes Achteck mit Kuppel und Laterne so weit erhöht, daß die Spitze mit der Fahne angeblich vom Schloß Sulzbürg aus gesehen werden konnte. Er ist mit 47,50 Metern der höchste Turm der weiten Umgebung.
Im folgenden Jahr 1735 waren die Zimmerleute, Schlosser und Glaser am Werk. Ein Amberger Uhrmacher mußte die Kirchenuhr auf das vordere Türmlein über den Friedhofeingang versetzen. Für den imposanten Schmuck des Innenraums der Kirche zeichneten der Stukkateur Hieronymus Andrioli und der Maler Melchior Puchner verantwortlich. Künstlerisch ist die Kirche eine Mischung aus Barock und Rokoko.

Christian Albrecht von Wolfstein ließ einige Jahre später in der Kirche zwischen den Stühlen beim Taufstein im vorderen Bereich eine Gruft einbauen. Im Jahr 1861 hatte man nach einer pfarramtlichen Niederschrift im Zug einer Renovierung der Kirche die Oberseite des Gewölbes freigelegt. ln dem 10 mal 8 Fuß großen Raum (3 m mal 2,40 m) vermutete man einen metallenen oder marmornen Sarg mit Insignien wie Wappen, Heim und Schild, fand aber nur ein Häufchen Erde, etliche größere Knochen eines Skeletts, Holzfaserreste und Teile von rotem Samt. 1962 entdeckte man nur noch ein vollkommen leeres Gemach.
Dreizehn Jahre nach dem Kirchbau stellte man fest, daß sich der Turm wegen eines morschen Balkens gegen Süden zu neigen begann und darum Gefahr des Einsturzes bestand. Notgedrungen mußte die alte Mauer auf dieser Seite 40 Fuß hoch ausgebrochen, frisch aufgemauert und der Turm auf drei Seiten mit Streben versehen werden. Seitdem steht er leicht schief.